Reiseziele

Donnerstag, der 11.03.2010

Reiseziele

Der Sahel

Seit Jahrhunderten wird die felsige Landschaft im Osten Tunesiens, zwischen dem Golf von Hammamet und dem Golf von Gabès gelegen, landwirtschaftlich genutzt

Oliven und Obst werden hier traditionell angebaut und sorgsam gepflegte Haine bieten alles was der Mittelmeerraum an Früchten zu bieten hat. Nach heutigen Schätzungen bilden die ca. 18 Millionen Olivenbäume im tunesischen Sahel den größten zusammenhängenden Bestand an Ölbäumen im Maghreb und sichern Tunesien damit einen Spitzenplatz unter den Olivenölproduzenten.

Die zerklüftete Küste bot über Jahrhunderte hinweg Piraten Schutz und Heimat. So war die Angst vor den wilden Korsaren aus Nordafrika weit verbreitet unter Schifffahrern auf dem Mittelmeer. Immer wieder versuchten die Seemächte der Piraten Herr zu werden und griffen die nordafrikanische Küste mit gewaltigen Flotten an.

Fast jedes Dorf in dieser Gegend steht auf den Ruinen phönizischer oder römischer Siedlungen. Schon zu Zeit der Römer war der Sahel, wie diese Region heute, nach dem arabischen Wort für Ufer bzw. Randzone heißt, für ihren Reichtum berühmt und viele Bauwerke im Hinterland zeugen noch heute vom Wohlstand dieser Region. Diesem Wohlstand ist es zu verdanken, das hier große, bedeutende Städte entstanden, wie Sousse und Monastir Jeder Volksstamm in der Geschichte, der im Mittelmeerraum nach Macht strebte versuchte auch über diese Region zu herrschen. Neben den Römern und Phöniziern, den Byzantinern, den Türken und den Arabern versuchten auch die Europäer die Macht im Sahel zu ergreifen.

Sousse ist mit circa 200.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Tunesiens und verfügt auch heute noch über einen bedeutenden Hafen. Zwischen Hammamet und Monastir gelegen, spielt, neben Industrie, der Tourismus die größte Rolle in der Wirtschaft.
Die Hotels erstrecken sich außerhalb der Stadt am Strand entlang bis hin zu dem 7 km entfernten, künstlich angelegten Yachthafen Port el-Kantaoui im Norden. In Sousse trifft man auf Vergangenheit und Moderne. Die Stadt geht auf eine phönizische Siedlung aus dem 9. Jhd. v. Chr. zurück. 647 zerstört, wurde Sousse rund 200 Jahre später wieder aufgebaut und von den Aghlabiden zu einer wichtigen Hafenstadt und einem bedeutenden militärischen Stützpunkt ausgebaut.

Die von den Franzosen erbaute Neustadt umschließt heute den historischen Stadtkern. Die Aghlabiden handelten im Auftrag der Herrscher von Bagdad. Sie sollten Nordafrika erobern und für den Islam gewinnen. So ist auch ihre Architektur militärisch, streng und verzichtet auf jeden Schmuck. Einer der Höhepunkte der Medina von Sousse ist die Ribat, eine Art Wehrkloster, das im 8. Jhd. gegründet und von den Aghlabiden ausgebaute wurde.
Hier lebten die Mönch-Soldaten, in klösterlicher Abgeschiedenheit und bereiteten sich darauf vor im Kampf gegen die Ungläubigen den Märtyrertod zu sterben. Das quadratische Gebäude besteht aus den für Sousse typischen Steinquadern und ist mit Wachtürmen versehen. Der Gebetessaal der Ribat ist einer der ältesten in ganz Afrika. Der große, Nador genannte, Wachturm bietet einen hervorragenden Blick auf den Hafen, die Souks und die Große Moschee. Die Ribat von Sousse war Teil einer Kette von Wehrklöstern, die die Ostküste vor Überfällen von See her schützen sollten und als Nachschublager für den Vorstoß nach Europa dienten. Diese Bauwerke wurden in Sichtweite voneinander errichtet um durch Blink- oder Feuersignale vor herannahenden Gefahren zu warnen. So hat man von hier aus auch die Ribat des rund 24 km entfernten Monastir im Blick.

Die Aghlabiden erbauten 850 die Große Moschee. Wachtürme und Galerien an der Außenmauer erwecken den Eindruck eines militärischen Gebäudes. Dies hat auch einen Grund, denn die Moscheen der Aghlabiden dienten nicht nur dem Gebet, sondern waren auch Waffen- und Vorratslager und die Moschee war der einzige militärische Zugang der Stadt. Wer die Moschee in seiner Gewalt hatte beherrschte die Medina. Der Gebetssaal ist 13-schiffig, darf aber leider nicht von Außenstehenden betreten werden.

Die Medina wird von einem weiteren Festungsbau überragt, der Kasbah, mit ihrem 859 erbautem Wahrzeichen, dem Tour el-Khalef, einem 30 m hohe Wach- und Signalturm. Khalef el-Fata, war ein freigelassener Sklave, der es zu hohem Ansehen brachte und auch die 2 ½ Kilometer lange Stadtmauer rund um die Medina plante. Nur drei Tore gewährten den Zugang zur Medina und die großzügigsten Straßen verlaufen entlang der Mauer. Diese Straßen mögen zur Zeit der Stadtgründung planmäßig angelegt worden sein, heute jedoch sind sie ein verschachteltes Gewirr, das immer unübersehbarer wird, je weiter man sich von der Mauer entfernt. Die Medina von Sousse wurde 1988 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

"Soussa" war jedoch nicht nur von mitlitärischer Bedeutung, so war es auch ein bedeutendes Handelszentrum. Die Märkte und Geschäfte beeindruckten die Reisenden und fremde Händler gleichermaßen. Sousse belieferte nicht nur die Länder des Orients mit Stoffen, Öl und Kunsthandwerk, sondern auch das nahe Europa.

Port el-Kantaoui, einem in den 70er Jahren geplanten Touristenort, bietet sich als Ausflugsziel von Sousse aus an. Von dem Yachthafen aus kann man mit Booten sogenannte Piratentouren unternehmen und ein Glasbodenboot erschließt auch Landratten die Unterwasserwelt. So findet man nicht weit vom Strand in 10-18 m Tiefe ein Wrack. Die Felsen und Höhlen bieten vielen Fischen Unterschlupf. Darüber hinaus kann Port el-Kantaoui auch als Ausgangspunkt für Hochseeangeltouren genutzt werden. Für Golffreunde bietet Port el-Kantaoui seit 1979 einen 36-Loch Platz. Der Kurs bietet Golfern aller Stärken eine Herausforderung und kann auch für internationale Turniere genutzt werden.

Monastir mit seinen 50.000 Einwohner und über 14.000 Hotelbetten machen den Ort zu einem der größten touristischen Zentren Tunesiens. Die Metroanbindung in das nahegelegene Sousse läßt Monastir schon fast als Vorort der Metropole erscheinen. Dennoch ist Monastir anders als viele tunesische Städte. Als Geburtsstadt des verehrten Staatspräsidenten Habib Bourguiba flossen der Stadt erhebliche finanzielle Mittel zu, die dazu verwendet wurden die Stadt zu modernisieren und zu einem Mittelpunkt des tunesischen Tourismus auszubauen. Überall säumen Palmen die penibel sauber gehaltenen Straßen, Cafes und Restaurants im landestypischen Stil prägen das Stadtbild von Monastir.

Die Geschichte Monastir´s ist bewegt wie die der meisten tunesischen Städte. Von Phöniziern gegründet errichteten die Römer in der Stadt, die sie Ruspina nannten, einen wichtigen militärischen Stützpunkt. Die arabischen Aghlabiden integrierten Monastir in ihr Verteidigungsnetz, das sie in Nordafrika aufbauten. Wie in anderen tunesischen Städten ist die Ribat, das Wehrkloster der Mourabitun genannten Krieger-Mönche, Zentrum der Verteidigungsanlage. Auch heute noch ist die Ribat das Wahrzeichen von Monastir und prägt als weithin sichtbares Monument das Stadtbild. Das Wehrkloster liegt am Meer, vor der eigentlichen Medina. Der Turm der Ribat kann über einen dunklen, engen Aufgang bestiegen werden. Die Mühe für diese Anstrengung ist ein Blick über die Altstadt, den Hafen und das Meer, bis hin zur Ribat von Sousse, die auch zu dieser altarabischen Verteidigungsanlage gehört. Die Anlage wurde im Lauf ihrer Geschichte immer wieder erweitert und umgebaut. Die Kasbah wurde der Ribat angegliedert und das ganze Areal wurde im Laufe der Zeit sehr verschachtelt und unübersichtlich. Unter der Herrschaft der Osmanen wurde die Ribat zu einer Festung ausgebaut und mit Kasematten und Kanonen versehen.

Die Medina von Monastir ist nicht mit der von Sousse zu vergleichen und wird weitgehend vom Tourismus geprägt. Man findet hier kaum überdachte Souks und die restaurierte Stadtmauer erinnert mitunter ein wenig an Disneyland. Direkt neben der Ribat befindet sich die große Moschee aus dem 9. Jhd.
Am nördlichen Eingang zur Ribat befindet sich die Bourguiba Moschee mit dem angrenzenden Mausoleum. Das punkvolle Mausoleum des ehemaligen Staatspräsidenten, der im Jahr 2000 verstarb, ist aus italienischem Marmor geschaffen und reichlich mit Gold verziert. Die Uferstraße mit ihren Palmen, Cafes und Restaurant lädt zum Flanieren ein. Der kleine Yachthafen zieht Segler aus der gesamten Umgebung ein.

Die meisten Hotels liegen ein wenig außerhalb von Monastir in Skanes. Hier finden die Urlauber alles, was Urlaub am Meer zu einem Erlebnis werden läßt. Wassersport, breite feine Sandstrände und ein attraktives Strandleben. Im Hafen findet man eine Tauchbasis, von der aus man die schöne Unterwasserwelt der Küste erkunden kann. Es wimmelt hier von Fischen.

Monastir bietet darüber hinaus zwei Golfplätze, zum einen den "Flamingo Golf Kurs". Auf einem Plateau gelegen, zwischen Hügeln und See wirkt dieser gepflegt Platz wie ein Park am Meer. Der 18-Loch Platz gilt als sehr anspruchsvoll und genügt höchsten internationalen Ansprüchen.
Der zweite Platz ist der "Palm Links Golf Course". Der 18-Loch Platz ist mit Palmen bepflanzt und wirkt typisch mediterran. Der Platz bietet Golfern aller Stärken die entsprechende Herausforderung. Der gut geführte Platz bietet auch eine Golfschule.

Mahdia liegt zwischen Sfax und Monastir. Viele bezeichnen diese malerische Stadt als eine versteckte Perle. Tatsache ist, dass Mahdia noch nicht von Touristen überlaufen ist und als Geheimtipp gilt. Die kleine Stadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich, der größte Teil dieser Geschichte ist allerdings kriegerischer Art. Genueser, Berber und Nomadenstämme stritten sich immer wieder um die Herrschaft dieser strategisch günstig gelegenen Hafenstadt. Lange Zeit über war Mahdia ein berüchtigtes Piratennest. Die Moschee von Mahdia stammt aus dem 10. Jhd. und die alten Wehranlagen sind noch erhalten.

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